Am 27.Januar 2026 haben evangelische und katholische Christen zusammen eine ökumenische Andacht in der Herz-Jesu-Kirche gefeiert. Dieser Tag war bundesweit der Erinnerung an den Holocaust im Nationalsozialismus gewidmet und insofern ein besonderer Anlass, gemeinsam über Konfessionsgrenzen hinweg der millionenfachen Opfer des Nazi-Terrors zu gedenken.
Pfarrkurat Johann Reicherzer und Pfarrer Mario Ertel führten gemeinsam durch den Gottesdienst. Der witterungsgemäß kalte Kirchenraum passte zu der spürbar nachdenklichen Stimmung angesichts des Unfassbaren, was Menschen vor Jahrzehnten angetan wurde und erneut ganz aktuell angetan wird. Die Frage nach dem „Warum?“ und der Gerechtigkeit Gottes blieb letztlich in dem der Predigt von Pfarrer Ertel zugrunde liegenden Bibeltext aus Prediger 8 unbeantwortet, jedenfalls bezogen auf die Zeit unseres irdischen Lebens. Der Prediger stellt als unbegreiflich fest, „dass es Menschen, die gerecht sind, wie Frevlern ergeht, den Gottlosen dagegen, als hätten sie sich wie Gerechte verhalten“ – nicht zu begreifen, damals wie heute .
Die über die Opfer des Holocaust geweinten Tränen wurden symbolisch sichtbar, indem Krüge unterschiedlicher Größe nach und nach mit Wasser befüllt wurden und sich die Tränen mehr und mehr vermischten. Die Stille der Gemeinde währenddessen hatte eine ganz eigene Ausdruckskraft, gefolgt von einem gemeinsam gesprochenen „Neuen Bekenntnis“ zu Israel als Gottes auserwähltem Volk.
Zum Schluss erhielt jeder eine Karte mit dem Bild einer zerbrochenen Schale, die nach der alten japanischen Kunst „Kintsugi“ wieder zusammengefügt worden war, denn: „Zerbrochenes wird nicht versteckt, sondern mit Gold verbunden“ – ein hoffnungsvoller Ausblick am Abend des Holocaust-Gedenktages.
Barbara Kiefner-Weigl
